Arzneimittelprüfung Thuja LM VI

 

im unfreiwilligen Selbstversuch von Dr. med. Wolfgang Etspüler

 

 

 

In der Mitte der 90er Jahre war ich ein in der Naturheilkunde noch unerfahrener Assistent und seit einigen Monaten in einer naturheilkundlichen Klinik tätig. Meine Vorgeschichte war eine Reihe von chirurgischen Abteilungen, ich hatte einen Hang zum Technischen. So fand ich innerhalb der NHV besonders die klassischen Disziplinen wie Hydrotherapie, Infusionen, Neuraltherapie, Diätetik und ähnliches besonders interessant und plausibel.

 

Die mehr im energetischen Bereich liegenden Verfahren wie Akupunktur oder Homöopathie erschienen mir ein wenig suspekt oder auch physikalisch schwer zu erklären. Aber ich hatte in den Kursen und im Lehrbuch darüber erfahren.

 

Eines Tages trat bei mir ein Durchfallproblem mit Bauchgrimmen und Rumpeln auf. Ich war gerade auf Station und schaute dort in den Medikamentenschrank. In die Augen fiel mir Thuja; es stand dort in den Potenzen LM VI und D200. Dieses war mir als empirisches Mittel für meine jetzigen Beschwerden bekannt. Ich nahm Thuja LM VI 5 Globuli, vor der Hochpotenz hatte ich etwas Respekt (stand so im Lehrbuch).

 

Ich wandte mich wieder der Arbeit zu, es war Aufnahmetag und viel zu tun. Das mit den Globuli hatte ich schnell vergessen.

 

Damals schlief ich in einem kleinen Dienstzimmer in der Nähe der Klinik. Plötzlich erwachte ich gegen 3 Uhr nachts mit Schmerzen im rechten Knie. Ich war sehr überrascht, das hatte ich noch nie erlebt, weder das Erwachen mit Schmerzen noch Probleme mit dem Knie. Nach Aufstehen und kurzem Umhergehen war die Erscheinung weg, ich schlief weiter.

 

Morgens nach dem Aufstehen um 6:30 Uhr hatte ich ein Fremdkörpergefühl hinter der Unterlippe. Im Spiegel konnte ich einen haselnussgroßen, Polyp artigen Tumor im vestibulum oris sehen, weich, kein Druckschmerz oder Rötung. Er störte etwas beim Zähneputzen.  Was tun – ich dachte gleich an chirurgische Maßnahmen? Es war keine Zeit zum Nachdenken, ich eilte zur Arbeit. Dort angekommen dachte ich noch einmal über den Polyp nach. Gefühlt war er voll verschwunden, auch im Spiegel war keine Spur mehr zu sehen.

 

Die Arbeit auf Station ging ohne Störung weiter. Nach dem Mittagessen gab es eine psychologisch geleitete Arbeitsgruppe von Ärzten und Pflegepersonal - wie jeden Freitag um 14 Uhr. Es ging um Interaktionen von Patienten zum Personal, alles ernste Themen. Ich fand jedoch vieles erheiternd und musste lachen. Auch die farbliche Kombination der Kleidung einer Mitarbeiterin fand ich lustig oder auch einige Antworten, die im Dialog gegeben wurden, erheiterten mich. So bin ich normal nicht.

 

Mein Sitznachbar fragte mich daraufhin was heute los sei, ob ich heute etwas eingenommen hätte. Aber nein ich hätte „nichts“ genommen. Erst jetzt fiel mir wieder Thuja ein. Noch am gleichen Abend suchte ich im Repertorium und fand die entsprechenden Rubriken.

 

Diese Erfahrung war für mich ein Initiationserlebnis! Es gibt wohl Dinge, die man in einem eher wissenschaftlich-technischen Weltbild nicht erklären kann. Ich musste umdisponieren. Anschließend machte ich alle Kurse für die ZB Homöopathie.

 

 

 

NB: der Durchfall mit Bauchgrimmen und Rumpeln war auch weg. Er kam wieder als ich erneut Pfefferminzdrops mit Sorbit verwendete; das vertrug ich nicht, stellte ich später fest und verbannte es.